REICHSARCHIV BAND 34, VON SEITE 136 BIS 147

136 Der Angriff der 3. Armee.

sionskommandeur Generalmajor v. d e r E s ch , kurz vor Mittag das II./26 an die Straße Tahure-Perthes in die Mulde südlich Höhe 188, wo das Bataillon gute Deckung in Gräben fand.

Von allen Regimentern der 3. Armee hat das Inf.Regt. 393 insofern den größten Erfolg gehabt, als es ihm gelungen ist, mit mehreren Kompagnien nicht nur tief in die zweite Stellung einzudringen, sondern sich auch mehrere Stunden lang dort zu behaupten. Zu einem eigentlichen Durchbruch durch die zweite Stellung ist es allerdings auch hier nicht gekommen.

Beim Inf.Regt. 165 kam der Angriff nicht wieder in Gang.

Von der 33. Res.Div., welche einen 8 km breiten Frontabschnitt besetzt hielt, hatte nur das auf dem rechten Flügel stehende Res.Inf.-Regt. 130 zwischen der ,,Wetterecke" und der Schlucht nordwestlich Beauséjour anzugreifen. Sobald der Feind auf die Schlucht an der Straße le Mesnil-Massiges (,,Mesnil&emdash;Schlucht") zurückgeworfen war, sollte sich das Regiment nach der Tiefe gliedern. Für die Abwehr von Gegenangriffen hatte der Divisionskommandeur, Genlt. B a r f u ß, das I./364 nach der Butte du Mesnil herangezogen. 450 vorm. trat das Res.Inf.Regt. 130, alle drei Bataillone nebeneinander, hinter der Feuerwalze zum Sturm an, 615 vorm. war das Angriffsziel, die erste feindliche Stellung, trotz erheblicher Gegenwirkung erreicht. Die eigenen Verluste waren verhältnismäßig gering; zwei Offiziere und 85 Franzosen wurden gefangengenommen.

Weiter östlich hielt der Feind vor den Regimentern 364 und Res. 67 die erste Stellung; vor der Mitte des Divisionsabschnitts schien er sie im Laufe des Vormittags zu räumen. Durch Artilleriebeobachter wurden mehrere feindliche Batterien im Stellungswechsel nach räckwärts erkannt und unter Feuer genommen.

Die Aufgaben des G e n k d o s.58 waren vorwiegend artilleristischer Natur; es hatte 12 Batterien zu einer ,,Aka Argonnen" zusammengefaßt, welche die zwischen der Linie Ville-sur Tourbe-Courtemont-Valmy und der Aisne stehenden feindlichen Artilleriegruppen niederzuhalten hatte. Westlich der Aisne hatte die 9. Landw.Div. in und am Bois de Ville eine aus 4 Landwehr-Bataillonen und einer Pionier

Beurteilung der Lage durch das A.O.K. 3. 137

Kompagnie bestehende Abteilung bereitgestellt, um sich einem etwaigen Vorgehen der 33. Res.Div. anzuschließen.

Das AO.K. hatte den ihm zur Verfügung stehenden Schlachtstaffeln 925 vorm. den Befehl erteilt, zur Bekämpfung neu erkannter Batteriegruppen südlich der dritten feindlichen Stellung zu starten. Die mit großem Schneid vorstoßenden Staffeln griffen mehrere Batterienester an, wobei sie bis auf 100 m hinunterstießen. Einen merkbaren Einfluß auf die Feuertätigteit der französischen Artillerie hat dieses Eingreifen indessen nicht gehabt. Im übrigen mußte sich die Tätigkeit der Schlachtstaffeln auf den Angriff gegen Waldlager und marschierende kleine Infanterie- und Artilleriekolonnen beschränken; ihr Einsatz gegen stärkere feindliche Reserven und Bereitstellungen war nicht möglich, da der Franzose in Erwartung des deutschen Angriffs seine Reserven bereits am frühen Morgen dicht an die zweite Stellung herangezogen hatte.

Aus den im weiteren Verlaufe des Vormittags eingehenden Meldungen ließ sich erkennen, daß der Angriff im allgemeinen vor der zweiten Stellung zum Stehen gekommen war. Souain, dessen Einnahme das I. bayer. A.K. gemeldet hatte, war offenbar wieder verloren gegangen. Nur einzelnen Teilen der Angriffsdivisionen schien es geglückt zu sein, sich in der zweiten Stellung festzusetzen. Nachrichten der linken Flügelgruppe der 1. Armee (Gruppe Langer) besagten, daß die Angriffsdivisionen dort vor der Stellung längs der Römerstraße festlagen. Übereinstimmende Gefangenenaussagen, Beobachtungen und Meldungen ergaben ein klares Bild über die Lage beim Feinde: Der Angriff war dem Gegner offenbar seit Tagen bekannt. Er hatte daraufhin in seiner ersten Stellung nur schwache Teile der Kampfbataillone belassen, vorgeschobene Depots geräumt, Minenwerfer und Artillerie hinter die zweite Stellung zurückgenommen und stark nach der Tiefe gestaffelt*). Diese zweite Stellung aber war stark besetzt, Teile der 42. amer. Inf.-Div. waren in die vordere Linie eingeschoben, eine weitere amerikanische und die 46. franz. Division standen - nach deutscher Annahme! - zum Eingreifen bereit. So hatte das Vorbereitungsfeuer der deutschen Batterien und Minenwerfer nur die Reste der in der ersten Stellung zurückgelassenen Bataillone gefaßt, von ihnen waren die wenigen Überlebenden in Gefangenschaft geraten. Geschützbeute war nicht gemeldet

*) Tatsächlich stand die Masse der Artillerie sogar hinter der 3. Stellung.

138 Der Angriff der 3. Armee.

worden. Der durch den heftigen Südwind in seiner Wirkung stark geminderte Gasbeschuß hatte es dem Feinde offenbar erlaubt, die wenigen noch vor der zweiten Stellung befindlichen Batterien rechtzeitig zurückzuziehen.

Generaloberst v. E i n e m entschloß sich, den Angriff am Nachmittag nach kurzer Feuervorbereitung planmäßig fortzusetzen. Er hoffte, daß die Artillerie bis zu dieser Zeit über das Trichtergelände vorgezogen sein würde. Nach vorausgegangener mündlicher Orientierung der Gruppenchefs erging 10 nachm. ein entsprechender Armeebefehl. Dieser besagte u. a., daß das Genkdo. XII die Sturmzeit selbständig bestimmen, die Genkdos. I bayer. und XVI sie miteinander vereinbaren sollten. In einem Nachtragsbefehl von 145 nachm. setzte indessen das A.O.K. 3 den Zeitpunkt des Angriffs für alle drei Korps einheitlich auf 60 abds. fest.

Tatsächlich befanden sich um die Mittagszeit nur das I. und Teile des III./393 auf dem rechten Flügel der 7. Inf.Div. in der zweiten feindlichen Stellung, an allen übrigen Stellen hatten die Franzosen die eingebrochenen Kräfte wieder herausgedrängt. Aber gerade die Lage beim Regt. 393 war zu dieser Zeit keiner höheren Befehlsstelle, ja nicht einmal dem Regimentskommandeur bekannt.

Infanteristisch standen der Armee für einen neuen Angriff durchaus hinreichende Kräfte noch bei den Divisionen des ersten Treffens zur Verfügung. Die bisher in vorderster Linie eingesetzten Bataillone hatten zwar überall erheblich gelitten, doch konnten alle Divisionen den Angriff mit ihrer Infanterie aus eigener Kraft weiterführen - unter der Voraussetzung einer gründlichen, starken Artillerievorbereitung. Hier lag indessen die große Schwierigkeit: Das breite, von unzähligen Gräben und Drahthindernissen durchzogene, unter dem unablässigen Feuer der feindlichen Batterien liegende Trichterfeld mußte das Vorgehen der Artillerie stark verzögern; bis zum Mittag hatten noch nicht überall die Felda.-Regimenter und Fußa.Bataillone der Angriffsdivisionen nachgezogen werden können. Bis ausreichende Artillerie zur Vorbereitung des Angriffs zur Stelle war, mußte es später Nachmittag werden. Daß auf die Panzerwagen-Abteilungen nicht mehr gerechnet werden konnte, war dem A.O.K. bekannt.

Kurz nach 20 nachm. lief beim A.O.K. die Meldung ein, daß Teile des XVI. A.K. bei Perthes in die zweite feindliche Stellung eingebrochen seien.Generaloberst v. Einem befahl daraufhin, daß das XVI. A.K. diesen Erfolg durch sofortige Weiterführung des Angriffs auszunutzen habe. Beim XII. und I. bayer. A.K. hatte es bei der festgesetzten Sturmzeit

Generaloberst v. Einem befiehlt die Fortsetzung des Angriffs. 139

von 60 abds. zu bleiben, nur der linke Flügel der Bayern sollte, dem Fortschreiten des Angriffs beim XVI. A.K. entsprechend, schon früher antreten. Gleichzeitig wurde die 228. Inf.Div., welche am Vormittag bis zur ,,Bulgarenhöhe" vorgezogen worden war, dem Genkdo. XVI zur Verfügung gestellt, um den Angriff im Gefechtsstreifen der 88. Inf.Div. vorwärtszutragen und nach Fortnahme des ,,Wolfsberges" den vor dem linken Flügel der I. bayer. A.K. noch haltenden Feind aufzurollen.

Der Kommandierende General des XVI. A.K., Genlt. W i l d v. H o h e n b o r n, hatte bereits von sich aus Anordnungen erlassen, um den Angriff seiner Divisionen wieder in Schwung zu bringen. Gleichzeitig mit dem Vorstoß der 88. Inf.Div. gegen den ,,Wolfsberg" und Perthes sollten Teile des Regts. 26 der 7. Inf.Div. gegen den ,,Baumberg" (südwestlich Perthes) vorgehen, um der 88. Inf.Div. die zweite Stellung öffnen zu helfen. Auf den neuen Armeebefehl hin wurden diese Anordnungen dahin abgeändert, daß die 88. Inf.Div. lediglich den ,,Wolfsberg" angreifen sollte, während die Einnahme von Perthes der 7. Inf.-Div. zufiel. Die 228. Inf.Div. erhielt Befehl, ein Infanterie-Regiment mit Begleitbatterie an den Ostrand der ,,Waldhöhe" vorzuschieben und dort zur Abwehr eventueller Gegenangriffe bereitzuhalten.

Alle diese Anordnungen kamen indessen zu spät, denn bereits um 20 nachm. hatte beim Inf.Regt. 393 der Rückschlag eingesetzt, die eingedrungenen Kompagnien waren bis in die vordersten Gräben der zweiten Stellung zurückgegangen (vgl. S.135). Zu einem Angriff ist es dann auch zu dieser Zeit (d. h. während der ersten Nachmittags-stunden) nirgends gekommen. Die Meldungen über die letzten Ereignisse beim Regt. 393 gelangten verhältnismäßig schnell nach rückwärts, es blieb nun bei dem für 60 nachm. befohlenen Angriff.

Die Lage der Infanterie an der Front der 3. Armee änderte sich den Nachmittag über nicht mehr wesentlich. Um eine Artillerievorbereitung von einer vollen Stunde zu gewährleisten und um den eigenen Angriff mit dem der 1. Armee zeitlich in Übereinstimmung zu bringen, entschloß sich das A.O.K., die Sturmzelt von 60 auf 70 abds. zu verschieben. Tatsächlich sollte es aber überhaupt nicht mehr zu einem einheitlichen Angriff kommen.

Die 1. Inf.Div. beabsichtigte, am Wäldchen an der Zwischenstellung nordwestlich Punkt 118 einzubrechen und von hier aus den zur Suippes nach Südwesten laufenden Graben aufzurollen. Zur Feuervorbereitung standen ihr nur noch verhältnismäßig wenige Batterien zur Verfügung,

140 Der Angriff der 3. Armee.

da die Masse der Korpsartillerie der Garde-Kav.Sch.Div. zugeteilt war, bei welcher, dem Armeebefehl von 10 nachm. entsprechend, jetzt der Schwerpunkt des Angriffs des XII. A.K. liegen sollte.

Ehe der Angriff begann, kam es bei der 1. Inf.Div. noch zu weiteren Verschiebungen der Sturmzeit. Da die benachbarte 239. Inf.Div. erst um 80 abds. angreifen wollte, wurde der eigene Angriff - im Einverständnis mit Genkdo. und A.O.K. - ebenfalls auf 80 verschoben. 635 abds. erhielt die Division aber wieder die Anweisung, doch schon um 70 abds. anzugreifen, da auch die 239. Inf.Div. bereits zu dieser Zeit antreten wolle. Dieser Befehl konnte natürlich nicht mehr durchdringen, die Artillerievorbereitung begann im allgemeinen tatsächlich erst um 70 abds. Der Angriff, für welchen ein Bataillon des Inf.Regts. 43 zwischen die Gren.Regtr. 3 und 1 eingeschoben wurde, hatte nur sehr geringe Erfolge Es zeigte sich, daß die Artillerievorbereitung völlig unzureichend gewesen war. Im Feuer der keineswegs niedergekämpften französischen Maschinengewehre und Batterien blieben die Sturmtruppen bald liegen.

Um 920 abds. befahl der Divisionskommandeur, Genlt. P a s ch e n, die erreichte Linie zu halten, die Gren.Regtr. 3 und 1 sowie die Artillerie hatten sich nach der Tiefe zu gliedern. Die westlich der Suippes stehenden Kompagnien des II./3 wurden durch eine Kompagnie der M.G.Ss.Abt. 31 verstärkt. Zum linken Flügel der 239. Inf.Div. bestand eine Lücke von etwa 600 m.

Die Garde-Kav.Sch.Div. hatte während des Nachmittags ihre Verbände einigermaßen ordnen können. Obgleich der Division eine starke Artillerie zur Feuervorbereitung zur Verfügung stand, gelang es wegen der Kürze der Vorbereitungszeit auch hier nicht, die feindlichen Batterien niederzuhalten und die Einbruchstelle sturmreif zu schießen. Als die Schützen 70 abds. zum Sturm vorbrachen, schlug ihnen heftigstes Feuer aus Maschinengewehren und Minenwerfern entgegen, gleichzeitig setzte starkes Artillerie-Sperrfeuer ein. Auch das Hintergelände lag unter schwerem Beschuß. Trotz größter Tapferkeit konnte der Angriff nicht in die 2. Stellung eindringen. 830 abds. befahl der Divisionskommandeur, Genlt. v. H o f m a n n, sich einzugraben und die Stellung unbedingt zu halten.

Einen nennenswerten Geländegewinn hatte der Abendangriff des XII. A.K. nicht gebracht. Die Gefangenenzahl des ganzen Tages betrug 18 Offiziere und 855 Mann, der größere Teil von ihnen war von der Garde-Kav.Sch.Div. eingebracht worden. Die eigenen Verluste wurden

Der Angriff des XII. A.K. kommt nicht vorwärts. 141

von der 1. Inf.Div. mit etwa 400, bei der Garde-Kav.Sch.Div. mit 1172 Mann gemeldet.

Um den Angriff des I. bayer. A.K. zu unterstützen, setzte das A.O.K. gegen Abend erneut seine Schlachtstaffeln zur Bekämpfung besonders lästiger feindlicher Batteriegruppen an. 70 abds. starteten 20 Flugzeuge zum Angriff gegen Batterienester in den Wäldern an der Straße Suippes-Perthes südlich der 3. Stellung. 175 kg Bomben, 120 Wurfminen wurden abgeworfen, 10 300 Schuß M.G.Munition verfeuert. Die Wirkung war aber nur eine vorübergehende.

Die 2. bayer. Inf.Div. beabsichtigte mit dem 15. Inf.Regt. östlich Souain in die 2. Stellung einzubrechen, das 12. Regt. sollte einen Nebenangriff im Anschluß an die Garde-Kav.Sch.Div. führen. Die Artillerievorbereitung war aber auch hier viel zu kurz; außerdem hatte die Zeit bei weitem nicht ausgereicht, um hinlängliche Beobachtungsverhältnisse zu schaffen und das Einschießen durchzuführen. Jedenfalls wurde die feindliche Grabenbesatzung durch das Feuer der deutschen Batterien nur wenig belästigt; schon lange vor Sturmbeginn war zu beobachten, daß der Gegner Kopf an Kopf, die M.G.Bedienungen an ihren Gewehren, bereitstand und den Sturm erwartete.

Das 15. Inf.Regt. verschob mit Einverständnis des Divisionskom-mandeurs den Angriff auf 740 abds. Als die Sturmtrupps sich schließlich kurz vor 80 aus den flachen Gräben erhoben, schlug ihnen wütendes Inf.- und M.G.Feuer entgegen, gleichzeitig setzte Artilleriesperrfeuer ein. Ein Vorkommen war völlig unmöglich, alles mußte wieder in die Gräben zurück.

Beim 12. Regt. war - wie übrigens auch beim 15. Inf.Regt. -der Angriffsbefehl erst sehr spät eingegangen. Daher trat hier nur das auf dem rechten Flügel etwas rückwärts gestaffelt liegende II. Batl. zum Angriff an; es vermochte aber keinen Raum zu gewinnen, da I. und III./12, zu denen der Befehl nicht durchgedrungen war, liegen blieben. Die feindliche Stellung war hier überhaupt nicht unter Artilleriefeuer genommen worden. Die Division gliederte sich nachts zur Abwehr.

Bei der 1. bayer. Inf.Div. war im Laufe des Nachmittags ein Auffüllen der feindlichen Gräben der 2. Stellung beobachtet worden. Da außerdem die eigene Infanterie unter starkem Minenwerferfeuer lag, rechnete man mit einem Gegenangriff. Die Wünsche der Infanterie über die zu beschießenden Ziele gingen hier erst um 60 abds. ein, die

142 Der Angriff der 3. Armee.

Sturmzeit wurde daher auf 80 abds. festgesetzt Der befohlenen Einbruchstelle im Waldstück südwestlich Punkt 170, gegen welche das Artilleriefeuer zusammengefaßt wurde, lagen III./24 und I./1 gegenüber; weiter östlich sollte das 1. Inf.Regt. den Angriff über die in vorderer Linie liegenden Teile des 2. Regts. hinweg führen. Kurz vor Beginn des Sturmes setzte indessen der erwartete feindliche Vorstoß ein. Der Gegner wurde zwar abgewiesen, für den eigenen Angriff war es aber zu spät geworden. Gegen 930 abds. gab Generalmajor D ä n n e r den Befehl, sich vorerst für die Abwehr zu gliedern und nachts die Verbände zu ordnen.

Die Verluste des I. bayer. A.K. waren bei der 2. Inf.Div. erträglich, bei der 1. dagegen schwer. Bei der 2. Inf.Div. hatte insbesondere das 15. Inf.Regt. gelitten, auf welches der größere Teil der etwa 700 Mann betragenden Gesamtverluste entfiel, nämlich 5 Offiziere, 507 Unteroffiziere und Mannschaften, darunter allerdings 100 Versprengte. Die 1. Div. hatte über 1500 Mann verloren; hier hatten besonders die Regtr. 24 und 2 bluten müssen. Der Kommandeur des 24. Regts. meldete spät abends, daß sein Regiment weder imstande sei, weiter anzugreifen, noch auch die Stellung gegen einen feindlichen Angriff zu halten. Die Verbände waren hier infolge Ausfalles fast aller Offiziere völlig gelockert, die Kompagnien nur noch wenige Gruppen stark, bei III./24 betrugen die Grabenstärken 25 bis 30 Mann. Auch das 2. Inf.Regt. sah für den Fall eines feindlichen Angriffs die Lage als sehr bedrohlich an. Hinter dem rechten Flügel der 1. bayer. Inf.Div. nächtigte die 30. Ins.-Div. In der ersten feindlichen Stellung. Sie hatte bei einem starken feindlichen Angriff gegen die Linie Souain-Ostgrenze des Gefechtsstreifens des I. bayer. A.K. zum Gegenangriff vorzugehen.

Das Genkdo. XVI hatte um 447 nachm. befohlen, daß die 88. Inf.-Div. um 60 abds. den Angriff gegen die 2. Stellung und den ,,Wolfsberg" durchführen sollte; die 7. hatte diesen Angriff mit einem Bataillon zu unterstützen und im übrigen um 630 abds. gegen Höhe 192 - ,,Pistolenhöhe" vorzustoßen. Der Angriff der 88. Inf.Div. sollte durch die noch verfügbare Korpsartillerie unterstützt werden. Die 228. Inf.Div. wurde angewiesen, ein weiteres Inf.Regiment und zwei Batterien nach dem Wäldchen nördlich der ,,Waldhöhe" vorzuschieben.

Auch bei der 88. Inf.Div. erwies sich die Feuervorbereitung als unzureichend. Der Angriff des Regts. 353 fand daher in der äußerst heftigen artilleristischen Gegenwirkung - vor allem schwerer Kaliber - bald

Auch beim I. bayer. u. XVI. A.K. bleibt der Angriff erfolglos. 143

ein Ende. Beim Inf.Regt. 426 kam es überhaupt nicht zu einem Vorgehen, da der Befehl dazu nicht durchdrang. Beide Regimenter gruben sich nachts ein, sämtliche Bataillone in vorderer Linie; vom Regt. 352 wurde je ein Bataillon hinter die Regtr. 426 und 353 geschoben, das dritte blieb hinter der ,,Waldhöhe".

Bei der 7. Inf.Div. hatten sich gegenüber dem Inf.Regt. 165 während des Nachmittags besonders die feindlichen Maschinengewehre und Grabengeschütze sehr lästig bemerkbar gemacht, der Feind füllte seine Linien hier ständig auf. Wegen der starken Gegenwirkung mußten das II. und III. Batl. einzelne weit vorgedrungene Abteilungen wieder zurücknehmen, darunter auch die 12. Komp. von der Straße le Mesnil-Massiges. Das Regiment beklagte sich, daß es gegenüber der sich dauernd verstärkenden Artillerie des Feindes bis 50 nachm. ohne jeden Feuerschutz durch die eigenen Batterien blieb. Tatsächlich hatte die Artillerie der 7. Inf.Div. sehr hohe Verluste und vor allem auch Materialausfälle gehabt. Es war ihr infolgedessen auch nicht möglich, während der Sturmvorbereitung zu einer ausreichenden Wirkung zu kommen. Der eigentliche Angriff der 7. Inf.-Div. gelangte daher gar nicht erst zur Durchführung, zumal auch der Gegner von der Höhe 192 sowie der ,,Pistolenhöhe" jede Bewegung außerhalb der Gräben mit M.G.Feuer niederhielt. Auch das II./26, das hart westlich der Straße Tahure-Perthes vorzugehen versuchte, blieb schon sehr bald im feindlichen Sperrfeuer liegen. Das Bataillon wurde dann dem Regiment 393 zur Verfügung gestellt und löste dessen nicht mehr kampffähigen Bataillone, I. und III., ab. Die Division gliederte sich zur Abwehr.

Die Infanterie-Regimenter der 228. Inf.Div. gingen an ihren Bereitschaftsplätzen zur Ruhe über (Füs.Regt. 35 in der Schlucht südöstlich ,,Bulgarenhöhe", Inf.Regt. 48 und Res.Inf.Regt.207 bei der ,,Waldhöhe"). Die Artillerie (Felda.Regt. 39 und Fußa.Batl. 92) wurde nördlich der Butte de Tahure zur Verfügung des Genkdos. XVI bespannt bereitgestellt, um je nach Bedarf der 88. oder 7. Inf.Div. zugeführt werden zu können.

Eine Beteiligung der 33. Res.Div. an dem Abendangriff kam nicht in Frage. Da der Feind unter dem Druck des Vorstoßes der Res. 130er im Laufe des Tages seine 1. Stellung vor der Mitte der Division räumte, schob Inf.Regt. 364 bis zum Abend stärkere Kräfte über die Schlucht östlich der Butte du Mesnil und auf die Höhe 500 m nordöstlich Punkt 148 (,,Artilleriehöhe", 900 m südöstlich Maisons de Champagne Fe) vor.

144 Der Angriff der 3. Armee.

Von den Divisionen des XVI. A.K. hatte die 88. schwere Verluste gehabt, sie betrugen 1600 bis 1700 Mann. Die 7. Inf.Div. verlor 34 Offiziere, 819 Mann (dabei 167 Versprengte), die 33. Res.Div. 10 Offiziere, 265 Mann. An Gefangenen wurden beim XVI. A.K. bis zum Morgen des 16. Juli 19 Offiziere, 988 Mann eingebracht.

Das A.O.K. 3 hatte um 625 abds. den Befehl gegeben, daß die Divi--sionen des dritten Treffens zur Ruhe übergehen sollten, und zwar 20. Inf.Div. um St. Etienne, 240. bei Somme Py; daß ihr Eingreifen am 15. nicht mehr in Frage kam, war zu übersehen.

Über den für den 16. Juli ursprünglich vorgesehenen Angriff der 33. Res.Div. (vgl. S.123) hatte sich unter den inzwischen eingetretenen Verhältnissen die O.H.L. die Entscheidung vorbehalten, sie ordnete schließlich eine beschränkte Durchführung des Angriffs an. 730 abds. befahl demgemäß das A.O.K., daß die 33. Res.Div. am 16. Juli 50 vorm. östlich der Butte du Mesnil den Angriff - falls der Feind seine Stellung nicht vorher hier aufgab - durchzuführen hatte, jedoch nur bis zur Linie:

Schlucht nordwestlich Beauséjour Fe-Höhe 900 m nordwestlich ,,Ehrenberg". Zweck dieses Angriffs war, ein tieferes Vorfeld vor der Höhe 400 m westlich Maisons de Champagne Fe (,,Champagne-Höhe") zu schaffen.

Bezüglich des Gelingens des Abendangriffes war das A.O.K. zunächst recht zuversichtlich, 740 abds. erließ Generaloberst v. Einem einen Befehl, der die Grenze zwischen I. bayer. und XVI. A.K. für die Verfolgung regelte. Tatsächlich mußte dieser Angriff zum Mißerfolg führen! Traf er doch auf eine völlig unerschütterte, in einer gut ausgebauten, nahezu unversehrten Stellung stehende Infanterie, unterstützt von einer tiefgegliederten, geschickt aufgebauten Artillerie, die von den deutschen Batterien nirgends wirksam gefaßt worden war. Hier konnte nur ein planmäßiges, genügend vorbereitetes Unternehmen Aussicht auf Erfolg haben. Die Truppe hatte das - wie es je nach Lage der Dinge nur selbstverständlich war! - früher erkannt als die höhere Führung. Zweifellos war diese Erkenntnis bei dem Vorstoß am Abend an mancher Stelle nicht ohne Einfluß auf den Angriffsschwung geblieben. Unter diesen Umständen nahm auch das A.O.K. von weiteren Unternehmungen vorläufig Abstand. Es wies die Generalkommandos jedoch an, die Vorbereitungen für einen erneuten Angriff mit größter Beschleunigung fortzusetzen.

* *

*

Beurteilung der Lage durch das Heeresgruppenkommando. 145

Sowohl beim Heeresgruppenkommando wie auch bei der O.H.L. hatte man schon verhältnismäßig bald ein zutreffendes Bild von der Lage an der Kampffront gewonnen. Es stand fest, daß der Feind auf den deutschen Angriff vollkommen vorbereitet gewesen war und alle Maßnahmen zur Abwehr getroffen hatte. Bei der 1. und 3. Armee hatte er seine 1. Stellung nahezu völlig geräumt und den Widerstand in die 2. verlegt, die von dem Vorbereitungsfeuer der deutschen Batterien nicht gefaßt worden war und vor welcher die Angriffsdivisionen jetzt festlagen. Gegenüber der 7. Armee schien der Gegner sich zwar bereits in der vordersten Stellung hartnäckig verteidigt zu haben, doch hatte er offenbar auch hier seinen Hauptwiderstand auf die 2. Linie basiert. Es unterlag keinem Zweifel, daß damit der deutsche Angriff in seinen eigentlichen Zielen gescheitert war, mochte er auch eine Reihe taktischer Erfolge eingebracht haben bzw. noch einbringen. Es galt jetzt zu entscheiden, was weiter werden sollte.

Das Kriegstagebuch der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz besagt hierüber:

,,Genaue Erkundungen und die immer stärker werdende Gegenwirkung des Feindes ließen im Laufe des Tages erkennen, daß bei der 1. und 3. Armee ein Angriff ohne intensivste Feuervorbereitung, zu der ein neuer, Tage währender Artillerieaufmarsch nötig war, nur unter schweren Verlusten und auch dann nur mit geringer Aussicht auf Erfolg durchführbar war.

Es war damit zu rechnen, daß der Angriff südlich der Marne noch eine erhebliche Erweiterung des bisherigen Erfolges bringen werde. Dies war auch notwendig, wenn südlich des Flusses eine Dauerstellung gehalten werden sollte. Nördlich der Marne konnte das Erreichen des Höhenrandes etwa zwischen Coulommes-Sermiers die Räumung des Reimser Beckens durch den Feind zur Folge haben. Zum Erreichen dieser Ziele war die Wegnahme des Höhenklotzes westlich Fleury erforderlich. Es war klar, daß das Operationsziel - Abschnürung des Feindes im Reimser Becken durch Vereinigung der 7. und 1. Armee in Gegend östlich Epernay - nicht mehr erreicht werden konnte. Man mußte sich mit geringeren Erfolgen begnügen."

Die Heeresgruppe Deutscher Kronprinz beabsichtigte somit eine Fortsetzung des Angriffs mit den beiden Zielen: Erreichen des Ostrandes des Bergklotzes südwestlich Reims und Gewinnung einer Dauerstellung südlich der Marne. Beide Ziele mußten von der 7. Armee erkämpft werden. Um aber zu verhindern, daß der Feind, die veränderte Einstellung des Angriffs erkennend, seine gesamten Reserven gegen die 7. Armee einsetzte, hatten auch die 1. und der rechte Flügel der 3. Armee den Angriff zunächst noch fortzusetzen. Ein entsprechender Heeresgruppenbefehl wurde

146 Weisung der O.H.L. für die Fortführung des Angriffs.

in der Nacht vom 15./16. Juli 1230 vorm. ausgegeben*). Wenige Minuten später traf beim Heeresgruppenkommando eine Weisung der O.H.L. ein, die sich im wesentlichen mit den Anordnungen der Heeresgruppe deckte. Sie lautete:

,,7. und 1. Armee setzen morgen den Angriff fort, 3. Armee nur auf dem linken Flügel (33. Res.Div.). -Für die weiteren Operationen gilt nachfolgende Weisung:

Die Heeresgruppe hat den Hauptdruck auf das Vorgehen der 7. Armee längs und nördlich der Marne zu legen, um den Gegner zum Aufgeben des Reimser Bogens zu zwingen. Die 7. Armee ist hierzu mit ein bis zwei Divisionen der anderen Armeen zu verstärken. - 1. und 3. Armee haben nach gründlicher Artillerievorbereitung und Munitionierung den Angriff fortzusetzen. -Da der Abtransport zur Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht**) durchzuführen ist, wird der Angriff der 3. Armee zu verschmälern, der Schwerpunkt auf die 1. Armee zu legen sein. Es kommt hierbei vor allem darauf an, in Richtung Mourmelon-le Petit und -le Grand Raum zu gewinnen, um den ursprünglichen operativen Gedanken, wenn auch in eingeschränkter Form, durchzuführen."

Von einem Angriff des r e ch t e n Flügels der 3. Armee enthielt diese Weisung der O.H.L. nichts, die Heeresgruppe beließ es jedoch bei ihrem in dieser Hinsicht gegebenen Befehl.

Von den zur Verfügung der Heeresgruppe bzw. O.H.L. stehenden Divisionen wurden die 50. Inf.Div. in den Raum Farzy-Anthenay- Olizy-et-Violaine -B. d. Lhéry, die 51. Res.Div. in die Gegend von Beuvarbes geschoben. Die 3. Res.Div. blieb weiter nördlich bei Grand Rozoy-Muret-et-Crouttes hinter Gruppe Winckler. Die 19. (sächs.) Ers.-sowie die 20. und 240. Inf.Div. hatten alarmbereit in ihren Unterkunftsräumen bei St. Masmes, St. Etienne und Somme Py zu bleiben.

*) Diesem den Gruppenkdos. durch Fernschreiber übermittelten Heeresbefehl sind schon erheblich früher mündlich (telephonisch) erteilte Einzelbefehle vorausgegangen. Die Armee-Oberkommandos waren bereits in den späten Nachmittag- bzw. frühen Abendstunden über die Auffassung von der Lage und die Absichten der Heeresgruppe unterrichtet. Ebenso hat während des ganzen Tages eine ständige Verbindung zwischen Heeresgruppe und O.H.L. bestanden. Auch mit den Armee-Oberkommandos unmittelbar setzte sich die O.H.L. vielfach ins Benehmen, wobei sie sogar bisweilen nicht unerheblich in Einzelheiten eingriff (Einsatz der 103. Inf.Div. - vgl. S.99-, Einschränkung des Angriffs der 33. Res.-Div. - vgl. S.144).

**) Es handelte sich um den bereits vorher in allen Einzelheiten festgesetzten Abtransport von schweren Batterien, Minenwerferformationen, Kolonnen usw. für den ,,Hagen"-Angriff.

Die Vorgänge auf der Feindseite. 147

Bald nach Beginn der deutschen Feuereröffnung meldete die 4. Armee der Heeresgruppe ,,Mitte", daß die feindliche Artillerie. Vorbereitung um 130 vorm. begonnen habe und sich von Massiges bis la Pompelle zu erstrecken schiene. Das auf der 1. Stellung liegende Feuer wurde von den dort zurückgelassenen schwachen Abteilungen als ganz außerordentlich stark empfunden, wesentliche Verluste konnte es naturgemäß nicht verursachen. 515 vorm. wurde das Vorgehen der deutschen Infanterie bemerkt. Die in der 1. Stellung zurückgelassenen Trupps signalisierten den Beginn des Angriffs und dann weiter die einzelnen Phasen des Sturmes. Nach einer zu dieser Zeit erstatteten Meldung der 4. Armee arbeiteten a 1 1 e Verbindungs- und Beobachtungsmittel ausgezeichnet*).

Die französischen Vorposten (also im wesentlichen die Stützpunkt-Besatzungen im Zwischengelände) lösten ihre Aufgabe ausgezeichnet: sie hielten die deutsche Infanterie auf und zersplitterten sie, so daß sie der Feuerwalze nicht schnell genug folgen konnte. Es war 830 bzw. 90 vorm., als die Angriffstruppen auf die 2. Stellung stießen, während sie von den überrannten Stützpunkten aus noch unter Rückenfeuer genommen wurden.

Der Hauptstoß der deutschen 3. Armee traf das XXI. A.K. Die durcheinandergekommene deutsche Infanterie formierte sich unter dem Schutz von Panzerwagen neu. Siebenmal griffen ,,diese schrecklichen

*) Allein schon im Hinblick auf den zu dieser Zeit herrschenden Nebel muß diese Angabe bezweifelt werden.

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