REICHSARCHIV BAND 34, VON SEITE  111 BIS 123

Die 15. bayer. Inf.Div. kommt hart südl. der Römerstraße zum Halten. 111

gegen Mittag an der Römerstraße, wo sie im feindlichen Artilleriefeuer schwer litten. Dagegen mußten die zum Vorziehen bestimmten Batterien des bayer. 7. Felda.Regts. und des bayer. Fußa.Batls. 23 in der alten deutschen Stellung etwa in Höhe des K 2-Grabens abprotzen. Außen den Schwierigkeiten des Trichtergeländes unterband vorerst das starke Feuer der französischen Artillerie, die in das zur Römerstraße glacisartig abfallende, ziemlich offene Gelände einen ausgezeichneten Einblick hatte, ein weiteres Vorgehen.

Von dem als Reserve gefolgten 32. Inf.Regt. hatten sich Teile des II. Batls. in die vordere Linie des 31. geschoben, die 12. Komp. sicherte hinten dem linken Flügel dieses Regiments; dort klaffte zur 3. Garde-Inf.Div. hin eine breite Lücke. I. und III./32 standen gegen 10 nachm. in und nördlich des Stützpunktes 1800 m östlich les Marquises Fe. Ein gegen 230 nachm. unternommener Angniffsvensuch des 31. Inf.Regts. blieb, da er antilleristisch nicht genügend vorbereitet und unterstützt wenden konnte, erfolglos.

Während bei der 203. Inf.Div. die Lage an der Front immerhin wenigstens um Mittag zu übersehen gewesen war, erhielt der Kommandeur der 15. bayer. Inf.Div., Genlt. S i e b e r t, erst im Laufe des Nachmittags vom Festliegen der Angriffs Kenntnis. Noch um 10 nachm. meldete die Division dem Gruppenkommando, daß die Vesle südlich Wez-Thulzy erreicht und in Gegend Courmelois überschritten sei. Eine irrige Infanterieflieger-Meldung, die das Gruppenkommando erhielt,. schien diese Angaben zu bestätigen. Immerhin hatte aber den Kommandierende General aus den bis zum Mittag eingelaufenen Meldungen doch schon den Eindruck gewonnen, daß die Infanterie der auf dem Südufer der Vesle laufenden Feuerwalze nicht mehr zu folgen vermochte. Demgemäß waren die 203. und 15. bayer. Inf.Div. darauf hingewiesen worden, die Walze gegebenenfalls anzuhalten und einen Feuerriegel vor die erreichten Stellungen zu legen. Gleichzeitig erhielt die 238. Inf.Div. den Befehl. die rechte Flanke der 203. durch Abriegelungsfeuer zu schützen und die feindliche Artillerie westlich der Linie Ostrand Sillery-Mühle Verzenay niederzuhalten.

Die 8. bayer. Res.Div. war befehlsgemäß der 15. Division gefolgt, wobei sie durch das starke feindliche Artilleriefeuer einige Verluste erlitten hatte. 1110 vorm. stand die Division auseinandergezogen zwischen den bisher vordersten deutschen Stellung und Beine. Auf eine 1145 vorm. eingegangene Mitteilung der 15. bayer. Inf.Div.. daß die Vesle noch

112 Der Angriff der 1. Armee.

nicht überschritten sei, hielt der Divisionskommandeur, Generalmajor J e h li n, den Vormarsch seiner Artillerie (bayer. Res.Felda.Regt. 9 und bayer. Fußa.Batl. 19) an, um durch ihr Feuer den rechten Flügel der Division Siebert unterstützen zu können. Auf einen Befehl des Gruppenkommandos von 20 nachm. hin stellte die 8. bayer. Res.Div. ein Bataillon des Res.Regts. 22 zur Verfügung, um der Artillerie der 15. bayer. Inf.Div. beim Übergang über das Trichterfeld zu helfen. Das Gruppenkommando hatte bei dieser Gelegenheit mitgeteilt, daß die Division Siebert mit den vordersten Teilen die Vesle bei Courmelois überschritten habe. Daraufhin befahl Generalmajor Jehlin 30 nachm. seiner Artillerie, zur Unterstützung des weiteren Vesle-Überganges der 15. bayer. Inf.Div. in Höhe bes vordersten Grabens der bisherigen deutschen Stellung aufzufahren.

Bei den Gruppen Gontard und Langer war der Angriffsverlauf fast völlig der gleiche wie bei der 15. bayer. Inf.Div.: In der ersten feindlichen Stellung fand die stürmende Infanterie nur schwachen Widerstand, der überall verhältnismäßig schnell überwunden werden konnte. Hier bereitete stellenweise das Trichtergelände, dessen Ungangbarkeit der Gegner bisweilen noch durch Stacheldrahtrollen, Minen und andere Hindernisse verstärkt hatte, größere Schwierigkeiten als das feindliche Feuer. Schon während dieses Zeitabschnittes ging vielfach der Anschluß an die Feuerwalze verloren. Aber bereits unmittelbar südlich der letzten Gräben der ersten Stellung wurde der feindliche Widerstand stärker. Überall sprühte den Angreifern das Feuer nicht niedergekämpfter M.G.Nester entgegen und bald traten auch die französischen Batterien, denen die auf den Südhängen der Champagneberge hinabsteigenden Deutschen ausgezeichnete Ziele boten, in Tätigkeit. Nur in einzelnen Fällen gelang es jetzt der Infanterie noch, an der Feuerwalze zu bleiben; andererseits hatten die Begleitbatterien, durch die ungeheuren Geländeschwierigkeiten und das feindliche Artilleriefeuer aufgehalten, zu dieser Zeit noch beinahe nirgends ihren Regimentern folgen können, die somit ganz auf sich allein angewiesen waren. In geschickter Weise nutzte der Gegner das zeitweilige Zurückbleiben einzelner Angriffsgruppen aus, um die bereits weiter vorgedrungenen zu flankieren. Hier und da setzten die ersten Gegenstöße ein. Trotzdem gelang es den tapferen Bataillonen überall, gegen die zweite feindliche Stellung, deren vorderster Graben noch nördlich der Römerstraße lag, Boden zu gewinnen. Der Einbruch glückte indessen nur auf den rechten Flügeln

Der Angriff der Gruppen Gontard und Langer. 113

der 3. Garde- und der 26. (württemb.) Inf.Div. sowie auf dem linken Flügel der 199. und - stellenweise - im Abschnitt der 239. Inf.Div. Sonst blieb der Angriff überall, teilweise unter erheblichen Verlusten, vor der zweiten französischen Stellung liegen.

Auf besondere Schwierigkeiten stieß, wie schon erwähnt, das Vorziehen der Artillerie. Die weitgehenden Vorbereitungen, welche hierfür getroffen waren - u. a. war jeder Begleitbatterie ein Pionierzug zugeteilt worden -, erwiesen sich in der unbeschreiblich wüsten Trichterzone des Schlachtfeldes vom Frühjahr 1917 als immer noch nicht ausreichend. Vor allem aber mußte die Überwindung der technischen Schwierigkeiten zumeist unter dem heftigen Feuer der französischen Batterien erfolgen, welches stellenweise große Verluste zur Folge hatte. Stärkste Energie und Tapferkeit waren nötig, um allen Hemmnissen zum Trotz das Trichtergebiet zu überwinden und den größten Teil der Divisionsartillerie in neue Stellungen zu bringen. Was die Artillerie mit den zugeteilten Pionieren hier an Heldentum und opferfreudiger Hingabe aller Dienstgrade leistete, steht hinter den Taten der tapferen Angriffsbataillone nicht zurück!

Die Meldungen, die bis zum Mittag von den unterstellten Gruppen beim A.O.K. 1 eingegangen waren, hatten auf einen zwar nicht reibungslosen, aber doch im wesentlichen planmäßigen Verlauf des Angriffs schließen lassen. Von Bedeutung war eine Meldung der 26. Inf.-Div. von 80 vorm. gewesen, daß der Gegner sich offenbar planmäßig auf feine zweite Stellung zurückgezogen und dort die Abwehr organisiert habe. Eine um 1220 nachm. vom XII. A.K. (rechtes Flügelkorps der 3. Armee) eintreffende Mitteilung, daß der Feind in seiner zweiten Stellung hartnäckigen Widerstand leiste, bestätigte die Angabe der 26. Inf.Div. in vollem Umfange. Weitere Feststellungen bei den unterstellten Gruppenkommandos ergaben bis gegen 20 nachm. das gleiche Bild: der Angriff war im allgemeinen vor der feindlichen Stellung nördlich der Römerstraße liegengeblieben, nur die 203. Inf.Div. hatte Römerstraße und Vesle überschreiten können und war bis an den Nordrand des Kanals vorgedrungen. Die 15. bayer. Inf.Div. nahm man nach den vorliegenden Meldungen im Besitz von Wez, Thuizy und Courmelois an; es war allerdings verwunderlich, daß der rechte Flügel der 3. Garde - Inf.Div. noch an der Römerstraße, also weit rückwärts, kämpfte. Jetzt kam es zunächst darauf an, den stockenden Angriff wieder in Fluß zu bringen. Dies schien am ersten durch Einsatz der 8. bayer.

114 Der Angriff der 1. Armee.

Res.Div. in der Lücke zwischen der 15. bayer. und 3. Garde-Inf.Div. mit Angriffsrichtung auf Sept-Saulx möglich. Um 330 nachm. erging daher folgender Armeebefehl:

1.) Gruppe Lindequist hat mit den Anfängen die Vesle überschritten, Cour-melois genommen. Mitte und linker Flügel stehen im Kampf um die Römerstraßenstellung.

2.) Gruppe Lindequist setzt den Angriff gegen die Höhen fort, Schwerpunkt bei 15. bayer. Inf.Div. Die (Gruppe stößt mit 8. bayer. Res.Div. zwischen Cour-melois und rechtem Flügel 3. Garde-Inf.Div. in Richtung Sept-Saulx vor, reißt damit die 3. Garde-Inf.Div. vor und bricht in die Baconnes-Stellung ein.

Gruppe Gontard greift gleichzeitig den vor 3. Garde-Inf.Div. stehenden Gegner rechts umfassend an.

Gruppe Langer greift nach zusammengefaßter Artilleriewirkung im Anschluß an um 60 nachm. stattfindenden Angriff der 3. Armee mit dem Schwerpunkt bei der linken Flügeldivision an.

Diesem Armeebefehl entsprechend ordnete Genlt. v. L i n d e q u ist 350 nachm. die Fortsetzung des Angriffs der 203. und 15. bayer. Inf.Div. an. Links der letzteren sollte die 8. bayer. Res.Div. in die erste Linie einrücken und gegen die feindlichen Stellungen beiderseits Sept-Saulx, vorgehen. Alle drei Divisionen wurden auf beschleunigtes Vorziehen von starken Teilen ihrer Artillerie über die alte deutsche Stellung hinaus hingewiesen.

Der Kommandeur der 203. Inf.Div., Generalmajor K a u p e r t, setzte die Wiederholung des Sturmes auf die Kanalstellung für 60 nachm fest, eine einhalbstündige Artillerievorbereltung sollte vorausgehen; zur Fortführung des Kampfes bis an den Nordhang der Reimser Berge blieben dann noch mehrere Tagesstunden übrig. Die Übermittlung des Angriffsbefehls an die Infanterie - sie erfolgte teilweise durch Flieger - gelang nicht überall rechtzeitig, der Angriff kam daher nur teilweise zur Durchführung. Beim Inf.Regt. 465 ging das durch die 3. und 4. Komp. verstärkte III. Batl. gegen die Schleuse und die Kanalstellung vor. Wieder gelang es, die Schleuse zu nehmen, wieder mußte sie vor umfassenden Gegenstößen aufgegeben werden. Regt. 409 erhielt den Angriffsbefehl erst im letzten Augenblick. Während der Artillerievorbereitung war hier die feindliche Gegenwirkung erheblich, besonders starke Verluste hatten die leichten Minenwerfer des I. und III. Batls., die sich am Sturmreifschießen der Kanalstellung beteiligten; III./409 litt durch Kurzschüsse der eigenen Artillerie. Der Angriff beider Bataillone wurde unter erheblichen Verlusten von dem unerschütterten Feinde abgeschlagen. Das gleiche Schicksal hatten das III. und II./406, während beim Inf.Regt. 410 der Angriffsbefehl zu spät eintraf, so daß von einem

Erneuter Angriff der Gruppe Lindequist. 115

Sturm dort überhaupt abgesehen wurde. Die eigene vorderste Linie verblieb somit bei den Regimentern 465, 409 und 406 nördlich des Kanals, beim Inf.Regt. 410 am Nordrand der Vesle.

Erneuten, in den späten Nachmittagsstunden und am Abend eingehenden Nachrichten, auch aus vorderster Linie, daß der rechte Flügel der 15. bayer. Inf.Div. weit abhinge, hatte Generalmajor Kaupert zunächst keinen Glauben geschenkt. Wiederholte dringende Bitten des Regts. 410 um Schutz seiner linken Flanke erregten jedoch schließlich Zweifel über das Vorkommen der Nachbardivision. Durch Vorschieben und gestaffelte Aufstellung der Reserven wurde etwaigen Schwierigkeiten zu begegnen versucht.

Im rückwärtigen Gelände hatte während des ganzen Nachmittags besonders der Straßenknotenpunkt Beine unter starkem Beschuß gelegen, benutzbar blieb nur eine den Ort umgehende Straße. Die Gegend des ,,Falkenauge" wurde weniger beschossen, so daß es gelang, die zahlreichen sich dort zusammendrängenden Fahrzeuge (vgl. S.109) allmählich ohne wesentliche Verluste auseinanderzuziehen. Schwerstes feindliches Feuer aber lag ständig auf der Gegend nördlich und nordöstlich von les deux Maisons, so daß ein Vorziehen von Artillerie völlig unmöglich war. Die Division befahl daher, den Stellungswechsel erst in der Nacht durchzuführen. Auch die Pioniere mußten ihre Arbeiten zur Wiederherstellung der Wege bis zu dieser Zeit verschieben.

In den Abendstunden ließ die Kampftätigkeit vorübergehend nach; mit Einbruch der Dunkelheit begann der Feind ein nervöses, lebhaftes Störungsfeuer mit M.G. und Artillerie.

Die 15. bayer. Inf.Div. erhielt den Angriffsbefehl der Gruppe nicht rechtzeitig. Die Verbindung mit dem Divisionsstab, der sich nach dem vordersten Graben der alten deutschen Stellung vorbegeben hatte, war den Nachmittag über fast ständig unterbrochen: die Fernsprechleitungen wurden durch das starke Artillerlefeuer sofort zerschossen, die Funkverbindung versagte.

Bei der Division war am Nachmittag das II./32 aus der Front gezogen worden, so daß das 32. Inf.Regt. wieder geschlossen als Reserve verfügbar war. Die durcheinandergekommenen, stark gelichteten Bataillone der Regimenter 30 und 31 wurden notdürftig geordnet. Am Abend verlief die vorderste Linie der Division von les Marquises Fe aus in einem nach Süden etwas vorspringenden Bogen zurück zum Schnittpunkt der Römerstraße mit der östlichen Divisionsgrenze.

116 Der Angriff der 1. Armee.

Die tatsächlich erreichte Linie ist dem Divisionskommandeur wohl erst nach 60 abds. bekannt geworden; erst um 715 abds. konnte nach Eingang des Gruppenbefehls der Angriffsbefehl ausgegeben werden. Danach sollte der Angriff mit starkem, rechtem Flügel fortgesetzt, das 32. Inf.Regt. im Gefechtsstreifen der 203. Inf.Div. vorgezogen werden, um die Stützpunkte vor dem Regt. 30 durch Umfassung zu nehmen, nachdem sie vorher durch die Artillerie sturmreif geschossen worden waren. Zu einer Durchführung des Angriffs kam es aber nicht mehr, da der Kommandeur der 23. bayer. Inf.Brig. den Befehl erst um 850 abds. erhielt. Für eine etwaige Fortsetzung des Angriffs am nächsten Tage wurde das 32. Inf.Regt. im Laufe der Nacht nach les Marquises Fe geschoben, wo es nach Mitternacht eintraf. Die drei Infanterie-Regimenter der Division hatten 42 Offiziere (davon 7 tot) sowie 1532 Unteroffiziere und Mannschaften (davon 161 tot, 243 vermißt) verloren.

Generalmajor J e h li n, der Kommandeur der 8. bayer. Res.Div., gab um 50 nachm. den Angriffsbefehl. Es mußte aber Abend werden, bis die Infanterie-Regimenter vorgezogen waren und zum Angriff bereitgestellt sein konnten. Um 80 abds. wurde die 8. bayer. Res.Div. von der 15. Inf.Div. unterrichtet, daß deren Infanterie nicht, wie angenommen, im Vesle-Grund, sondern noch dicht südlich der Römerstraße vor der feindlichen Stellung läge. Trotzdem wurde die einmal eingeleitete Bereitstellung der Division Jehlin hinter dem linken Flügel der 15. bayer. Inf.Div. durchgeführt. Nach 70 abds. endlich hatte auch das Gruppenkommando Meldung über die tatsächliche Lage der 15. bayer. Inf.Div. erhalten; damit wurden natürlich die Voraussetzungen für den befohlenen Angriff der Division Jehlin hinfällig. 915 abds. bekam letztere den Befehl, den Angriff sofort anzuhalten; entsprechende Weisungen konnten der Truppe noch kurz vor dem Antreten zugehen. Die Division sollte nunmehr ihre Truppen in der Dunkelheit aus der Kampffront ziehen und am Morgen des 16. mit schwächeren Teilen in den Gräben nördlich der Römerstraße, mit den Hauptkräften in und nördlich der alten Stellung im Gefechtsstreifen der 15. bayer. Inf.Div. zur Verfügung der Gruppe bereitstehen.

Genlt. v. G o n t a r d war durch das Generalkommando des VII. Res.K. über die Lage bei der 203. Inf.Div. und die vermeintliche Erzwingung des Übergangs über die Beste durch die 15. bayer. Inf.-Div. unterrichtet worden. Durch einen Gruppenbefehl von 10 nachm., der die Anfänge der 8. bayer. Res.Div. südlich der Römerstraße angab,

Der Nachmittags-Angriff der Gruppe Gontard. 117

wurde die 3. Garde-Inf.Div. angewiesen, das als Divisionsreserve hart nördlich Maison de Garde stehende Garde-Füs.Regt. sowie mehrere Batterien durch den Abschnitt der 15. bayer. Inf.Div. vorzuschieben und die feindlichen Batterienester südlich des Prosnes-Baches aufzurollen. Die übrigen Teile der 3. Garde-Inf.Div. hatten sich dem Angriff entsprechend seinem Fortschreiten anzuschließen. Zum Vorbringen möglichst vieler Batterien über das Trichtergelände wurden der 3. Garde-Inf.Div. zwei weitere Bataillone der 80. Res.Div., der 26. ein Bataillon der am Vormittag bis in die bisher vorderste deutsche Stellung nördlich des ,,Lug ins Land" nachgezogenen 9. Inf.Div. zur Verfügung gestellt. Durch diesen Gruppenbefehl war bereits den Weisungen des Armeebefehls von 330 nachm. (vgl. S.114) vorgearbeitet.

Der Befehl der 3. Garde-Inf.Div. von 145 nachm. beschränkte den Angriff des Garde-Füs.Regts. richtigerweise dahin, durch Vorgehen In südöstlicher Richtung den feindlichen Widerstand in der Stellung südlich der Römerstraße (Prosnes-Stellung) zu brechen; die beiden anderen Infanterie-Regimenter der Division, Gren.Regt. 9 und das Lehr-Regt., hatten sich dem Angriff anzuschließen. Heranziehen und Bereitstellung der Gardefüsiliere hinter dem linken Flügel der 15. bayer. Inf.Div. nördlich der Römerstraße verzögerten sich jedoch erheblich, es wurde darüber dunkel. Als endlich volle Klarheit über die Lage der Bayern gewonnen worden war, wurde von dem Angriff ganz abgesehen.

Beim Gren.Regt. 9 und dem Lehr-Regt. kam es an verschiedenen Stellen bis zum Abend zu heftigen Kämpfen um einzelne feindliche M.G.Nester; eine wesentliche Änderung des Frontverlaufs trat aber nicht ein. Trotz aller Bemühungen glückte es bei der 3. Garde-Inf.Div. nicht, auch nur eine einzige Batterie über das Trichtergelände vorzuziehen. Die Verluste der Division, besonders auch an Gaskranken, waren recht erheblich.

Im Abschnitt der 26. Inf.Div., die mit den Inf.Regtern. 121 (rechts) und 125 (links) in vorderster Linie angegriffen hatte, setzte der Feind im Laufe des Nachmittags mehrfach zu kleineren Gegenstößen an. Seine Anstrengungen waren in der Hauptsache gegen die bis hart südlich der Römerstraße vorgedrungenen Teile des Regts. 121 gerichtet. Sämtliche Vorstöße wurden aber abgeschlagen. Die Begleitbatterien aller drei Infanterie-Regimenter der Division, 1., 2. und 3./Felda. 29, konnten am Nachmittag trotz starker feindlicher Gegenwirkung über den Höhenkamm nach vorn gebracht werden. Die Inf.Gesch.Battr. 17, welche am Morgen als erste Batterie das Höhengelände überwunden hatte, war bald da-

118 Der Angriff der 1. Armee.

nach, in offener Feuersteuung stehend, von der französischen Artillerie gefaßt und völlig zusammengeschossen worden.

510 nachm. befahl der Divisionskommandeur, Herzog U 1 r i ch v. W ü r t t e m b e r g, einen erneuten Angriff für 70 abds. nach einstündiger Artillerievorbereitung. Inf.Regt. 121 sollte am Stellungseck nordwestlich Prosnes, gegen das es das Feuer aller seiner Hilfswaffen vereinigte, Inf.Regt. 125 an dem schon am Vormittag heißumkämpften Stellungsknie südöstlich Höhe 144 einbrechen. Eine ausreichende Feuervorbereitung war jedoch bei der kurzen Zeit nicht mehr möglich, auch traf der Angriffsbefehl beim Regt. 125 erst nach 70 abds. in der vorderen Linie ein. Den zur befohlenen Zeit angreifenden Sturmtrupps des Regts. 121, die durch überhöhendes M.G.Feuer unterstützt wurden, schlug so starkes Feuer entgegen, daß ein weiteres Vordringen unmöglich war. Beim Inf.Regt. 125 versuchten Sturmtrupps des III. Batls. vergeblich vorzubrechen.

Am Abend wurden die bis hart südlich der Römerstraße vorgedrungenen Teile des Regts. 121, welche durch die beiderseitige Flankierung stark zu leiden hatten und gefährdet waren, in einen 100-200 m nördlich der Römerstraße laufenden Unterstandsgraben zurückgenommen. Im übrigen blieb die Stellung der Division unverändert.

Genlt. L a n g e r hatte bereits um 20 nachm. die Fortsetzung des Angriffs gegen die Römerstraßen-Stellung nach kurzer, kräftiger Feuervorbereitung befohlen; insbesondere sollte die 199. Inf.Div. den noch vom Gegner gehaltenen ,,Hexenberg" baldmöglichst nehmen. Der Zeitpunkt der Angriffs blieb den Divisionen überlassen. Auf Grund des Armeebefehls von 330 nachm. wurde aber dann der neue Angriff für alle drei Divisionen einheitlich auf 70 abds. angesetzt. Inzwischen hatte aber die Garde - Ers.Div. auf den ersten Gruppenbefehl hin bereits gegen 430 nachm. nach einem Feuerschlag von 10 Minuten angegriffen. Erfolge waren nicht erzielt worden, an vielen Stellen rangen das 6. Garde-Regt. und Inf.Regt. 399 noch längere Zeit mit dem Gegner im Handgranatenkampf. Der gegen 50 nachm. erlassene neue Angriffsbefehl der Division gelangte nicht mehr rechtzeitig nach vorn, so daß es zu keinem einheitlichen Vorstoß mehr kam. Die stark vermischten Verbände wurden im Laufe der Nacht geordnet und nach der Tiefe gegliedert. Die Division hatte gegen 800 unverwundete Gefangene gemacht (von 124. und 132. franz. Inf.Div., drei Mann von der als Eingreifdivision dahinter stehenden franz. 27. Inf.Div.). Die eigenen Verluste waren nur beim Inf.-

Teilerfolge der Gruppe Langer. 119

Regt. 399 (12 Offiziere, 401 Mann) hoch, bei den anderen Regimentern hielten sie sich in erträglichen Grenzen.

Bei der 199. Inf.Div. wurde der ,,Hexenberg" nach kräftiger Artillerievorbereitung gegen 915 abds. vom Inf.Regt. 114 genommen. Das Regiment fand dabei gute Unterstützung durch seine Begleitbatterien 7./Felda. 263 und Inf.Gesch.Battr. 23. Über den Südhang des Berges hinaus vermochten aber die 114er den Angriff ebensowenig vorzutragen, wie das Res.Inf.Regt. 237 und das zwischen beide eingeschobene I./357, die vor dem feindlichen Drahthindernis liegen blieben. Die Verluste der 199. Inf.Div. waren recht erheblich.

Bei der 239. Inf.Div., deren Kommandeur, Genmaj. Frhr. v. R e i tz e n st e i n, am Vormittag schwer verwundet worden war, griff um 70 abds. zunächst nur das in der Mitte des Divisionsabschnitts stehende Inf.Regt. 467*) an, dessen Vorstoß am Morgen vor der französischen Stellung nördlich der Römerstraße liegengeblieben war. Unter schweren Verlusten gelang es, bis an das feindliche Draht-hindernis vorzukommen, hier blieb jedoch der Angriff liegen. Geringe Teile der 12. Komp. konnten in die vordersten Gräben eindringen; im Gegenstoß wurden sie wieder geworfen, vermochten aber etwa 20 Gefangene zurückzubringen. Dicht vor der feindlichen Stellung mußten die Stürmer auf deckungsloser Ebene bis zur Dunkelheit liegen bleiben, dann wurden die aufs äußerste erschöpften Mannschaften wieder in die Ausgangsstellung zurückgenommen. Stoßtrupps des links anschließenden I./468 hatten vergeblich versucht, die Stellung nördlich der Römerstraße nach Westen aufzurollen, um dem linken Flügel der 467er den Einbruch in die Stellung zu erleichtern. Auch bei dieser Division waren die Verluste schwer.

Die hinter den Gruppen Gontard und Langer stehenden Armeereserven, 9. Inf.- und bayer. Ers.Div., blieben am Nachmittag und während der Nacht an den erreichten Plätzen. Von den Divisionen des dritten Treffens war seit dem Vormittag die 19. (sächs.) Ers.Div. um St. Masmes versammelt; die 80. Res.Div. hatte sich während des Nachmittags mit ihren Hauptkräften um Nauroy, die 19. Res.Div. beiderseits der Straße Moronvillers-St. Martin zusammengezogen. Erhebliche Teile der 9. Inf.- sowie der 19. und 80. Res.Div. waren den Angriffs

*) Inf.Regt. 467 war ursprünglich als rechtes Angriffsregiment eingesetzt gewesen. Im Laufe des Angriffs hatte sich jedoch Inf.Regt. 466, vorher Divisionsreserve, rechts neben das Regt. 467 geschoben.

120 Der Angriff der 1. Armee

divisionen der Gruppen Gontard und Langer für Arbeiten im Trichterfeld zur Verfügung gestellt.

Die Fliegertätigkeit war den ganzen Tag über rege gewesen Die eigenen Flieger hatten unbestritten die Überlegenheit, die feindlichen waren im allgemeinen ziemlich zurückhaltend. Erheblich war der Materialschaden bei den Infanteriefliegern; hier kam fast kein Flugzeug ohne zahlreiche Treffer von Infanteriegeschossen zurück. Die Erdabwehr der Franzosen war sehr heftig; die Infanterieflieger waren aber zum tiefen Herabstoßen gezwungen, da es die vorderste Infanterielinie fast überall verabsäumte, sich durch Zeichen zu erkennen zu geben. Die Schlachtstaffeln hatten lohnende Ziele nicht gefunden, aber mehrfach mit M.G.-Feuer und Wurfminen in den Kampf auf der Erde eingreifen können. Die am Abend im Raume Reims-Condé sur Marne-Châlons-Aubérive durchgeführte Fernerkundung ergab stärkeren Straßenverkehr von Châlons nach St. Etienne und les Petits Loges sowie von Condé nach Bouzy, nur geringen Verkehr dagegen auf den Straßen Reims-Epernay und Reims-Louvoy. Tagsüber verlor der Feind acht Flugzeuge und einen Fesselballon. Um 1030 abds. startete das Bombengeschwader (Bogohl) 5 mit 16 Flugzeugen zum Bombenwurf auf Somme-Sous. Infolge starker Wolken und Gewitterbildungen konnten nur die vier zuerst gestarteten Flugzeuge ihr Ziel erreichen. Die übrigen warfen auf Châlons, Ortschaften um Somme-Sous und dicht hinter der feindlichen Front ihre Bomben ab, ein Flugzeug blieb dabei vermißt.

Der Abendangriff' welcher auf der ganzen Armeefront - abgesehen von einzelnen örtlichen Erfolgen - ergebnislos verlaufen war, hatte den seit Mittag bestehenden Eindruck vollauf bestätigt: Der Feind hatte sich in Erwartung des deutschen Angriffes, der ihm durch Gefangene genau bekannt geworden sein mußte, infanteristisch und artilleristisch tief gegliedert, seine erste Stellung nur schwach besetzt und seinen Hauptwiderstand in die Stellung an der Römerstraße verlegt. Erbeutete Befehle und Gefangenenaussagen bestätigten diesen Eindruck. Die 45. und 27. franz. Inf.Div. schienen als Eingreifdivision vorgezogen worden zu sein, von je einem Regiment beider Divisionen waren einige Gefangene gemacht worden. Im übrigen betrug die Zahl der bis zum Abend des 15. eingebrachten Gefangenen 54 Offiziere, 3008 Mann, - nicht viel im Verhältnis zu dem Umfange des Angriffs. Die eigenen Verluste waren an einzelnen Stellen schwer, bis zum Morgen des 16. gingen 5658 Verwundete durch die Hauptverbandsplätze.

Beurteilung der Lage durch das A.O.K. 1. 121

Ein operativer Erfolg war unter diesen Umständen überhaupt nicht mehr zu erwarten, und auch ein taktischer nur dann, wenn der Angriff einheitlich fortgesetzt und artilleristisch vorbereitet wurde. Für die Durchführung gab es zwei Möglichkeiten: entweder schnelles Zufassen oder Erneuerung des Angriffs erst nach mehrtägiger, planmäßiger Vorbereitung. Der erste Weg schien Gen. d. Inf. v. M u d r a zwar m ö g li ch, aber außerordentlich u n s i ch e r, er schlug daher, noch ehe das Ergebnis des Abendangriffes voll bekannt war, der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz das Beschreiten des zweiten vor.

122 Der Angriff der 3. Armee.

Generaloberst v. Ei n e m erließ am 21. Juni den vorläufigen, am 13. Juli den - wesentlich erweiterten - endgültigen Angriffsbefehl für seine (3.) Armee. Diese sollte danach das Vorgehen der 1. Armee gegen die Marne sowie den Marne-Übergang decken, hierzu den Feind westlich der Aisne angreifen und ihn - unter Sicherung der eigenen linken Flanke gegen die Argonnen - über die Linie Châlons - la Croix-en Champagne - Bionne -Abschnitt zurückwerfen. Innerhalb dieser Gesamtaufgabe hatte das Genkdo. XII*) in enger Verbindung mit dem linken Flügel der 1. Armee den Suippes-Übergang zu erkämpfen, in entschlossenem Zufassen den Piemont zu nehmen und den Feind -unter Sicherung der eigenen Flanke gegen Châlons - über Noblette und Vesle zurückzuwerfen. Genkdo. I bayer.*) sollte die feindlichen Stellungen nördlich der Suippes durchbrechen, den Suippes-Abschnitt überschreiten und, verstärkt durch die 30. Inf.Div. und mit dem linken Flügel zugleich nach Südosten einschwenkend, über die 4. französische Stellung und die Noblette bis auf die Höhen von la Croix-en Champagne vorstoßen. Das Genkdo. XVI*) wurde angewiesen, am 15.7. nur westlich der Butte du Mesnil anzugreifen, die feindlichen Stellungen im Bogen von Tahure zu nehmen, nach Südosten einzudrehen und im

*) *)In dieser Form sind in den beiden Armeebefehlen die einzelnen Gruppen bezeichnet.

Die Kampfaufgaben der einzelnen Gruppen der 3. Armee. 123

scharfen Nachdrängen den Gegner über die Tourbe und Bionne zurückzuwerfen. Der linke Flügel östlich der Butte du Mesnil hatte sich bereitzuhalten, dem unter dem Druck des Flankenstoßes welchenden Feind sofort nachzustoßen. Hielt der Feind, so war der Angriff hier erst am 16.7. nach neuem Artillerie- und Minenwerfer-Aufmarsch zu führen. Genkdo. 58*) schließlich sollte auf der Front östlich der Aisne einen Angriff vortäuschen, um die feindlichen Reserven zu fesseln. Seine westlich der Aisne stehenden Truppen hatten sich dem Vorgehen des Genkdos. XVI, dem sie taktisch unterstellt werden sollten, anzuschließen und die linke Flanke gegen die Argonnen zu sichern. Nach Erreichen des Angriffsziels Châlons (ausschl.)-la Croix-en Champagne-Bionne und Aisne-Abschnitt sollte die Armee zunächst zur Abwehr übergehen.

An der Angriffsfront der 3. Armee waren die Divisionen erster Linie rechtzeitig in der Sturmausgangsstellung eingetroffen. Gegen Mitternacht hatte feindliches Störungsfeuer eingesetzt, das sich aber in den gewohnten Grenzen hielt. Außer der 7. Inf.Div., welche mit allen drei Inf.Regimentern in vorderer Linie angriff, und der 33. Res.Div., von der sich zunächst nur das rechte Flügelregiment am Angriff beteillgen sollte, hatten sämtliche Divisionen des ersten Treffens zwei Inf.-Regimenter - die Garde-Kav.Sch.Div. zwei Kav.Schützen-Kommandos - in Front eingesetzt, das dritte Regiment bzw. Schützen-Kdo. sollte als Reserve folgen. Bei jedem Inf.Regiment oder Schützen-Kdo. wiederum waren zwei Bataillone (Kav.Sch.Rgtr.) in die vordere Linie genommen, das dritte bildete die Regimentsreserve**). Von den bisherigen Stellungsdivisionen' welche dem Angriff im zweiten Treffen als Armee-reserven folgen sollten, waren bis 110 vorm. die 7. Res.Div. nördlich St. Souplet und St. Marie à Py, die 30. Inf.Div. nordöstlich Somme Py und die 228. Inf.Div. bei Aure und Manre versammelt; ausgenommen waren nur die bisherigen Kampfbataillone, von denen die der 228. Inf.Div. in die der beiden anderen Divisionen hinter der ersten deutschen Stellung zusammengezogen wurden. Die beiden Divisionen der Heeresgruppenreserve hatten sich in ihren Unterkunftsräumen - 20. Inf.Div. um St. Etienne, 240. Inf.Div. um Mont St. Martin -von 50 vorm. ab so bereit zu halten, daß sie spätestens zwei Stunden nach erfolgtem Abruf vormarschieren konnten.

*) S. Fußnote auf der vor. Seite!

**) Eine Ausnahme bildete das auf dem rechten Flügel der 7. Inf.Div. eingesetzte Inf.Regt. 393, welches mit nur einem Bataillon in erster Linie angriff.

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